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Viele Besucher und beste Stimmung beim "Wiwi-Tag"

- Aus der Gießener Allgemeinen Zeitung -

Gießen (si). Eine vierstellige Besucherzahl und Partystimmung bis in die Nacht: Der diesjährige "WiWi-Tag", zu dem gestern der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Justus-Liebig-Universität auf den Campus in die Licher Straße eingeladen hatte, war auch in der fünften Auflage ein voller Erfolg; wenngleich das Wetter nicht ganz mitspielte. Neben Musik, Kulinarischem und einem bunten Unterhaltungsprogramm gab es viele Fachinformationen. Die Professoren Wolfgang Scherf (Dekan) und Volbert Alexander als Vorsitzender des Fördervereins, der das alle zwei Jahre stattfindende Fest organisierte, hatte die Veranstaltung am Morgen Come Togethereröffnet. Bei der anschließenden Podiumsdiskussion zum Thema "Studieren in Deutschland" zeigte sich, dass die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge - die der Fachbereich im Wintersemester einführt - ungewöhnliche Allianzen zusammenbringen.

Ganz hinter dem modularisierten Studiensystem stand Georg Bachmeier, Leiter Personalrekrutierung Deutschland bei der Deutschen Bank. Die Vorbehalte gegenüber dem Kurzstudiengang Bachelor seien ein deutsches Problem; die Deutsche Bank stelle als Trainees bevorzugt Bachelor-Absolventen ein (Anteil im Konzern weltweit 80 Prozent), ihnen stehe jede Karriere offen. Leistungsunterschiede im Vergleich zu Master- oder Diplom-Abschlüssen seien spätestens nach einem Jahr nicht mehr festzustellen, sagte Bachmeier. Skeptischer waren Studiendekan Prof. Martin Morlock, der vor einer Aufweichung akademischer Standards im Studium warnte; Student Umut Sönmez, der daran erinnerte, dass ein Studium nicht nur unter dem Aspekt der berufsbezogenen Verwertbarkeit betrachtet werden dürfe; und die FDP-Landtagsabgeordnete und frühere hessische Wissenschaftsministerin Ruth Wagner, die erklärte, dass die Universität in erster Linie Ausbildungsstätte für die Forschung sei und sich nicht einfach an den Bedürfnissen von Unternehmen orientieren könne.

Im Übrigen bot das "ultimative Campusfest" (Eigenwerbung) wieder vielfältige Gelegenheit zum Brückenschlag zwischen Theorie und Praxis. Beim "Markt der Möglichkeiten" waren ein Duzend heimische und überregionale Unternehmen vertreten, die ihre Arbeitsfelder potenziellen Praktikanten und künftigen Mitarbeitern nahe brachten. Auch die Professuren und studentischen Gruppen wie der Verein Aiesec oder der Arbeitskreis Börse stellten sich vor und beteiligten sich am Unterhaltungsprogramm, das vom "Lehrstuhl-Sudoku" über die Minigolf-Variante "Office-Putting" bis zum Karaoke-Wettbewerb und Tischfussballturnier reichte. Im Festzelt entpuppte sich die Bullriding-Maschine als Renner.

Im Abendprogramm waren dort die LLG-Schulband, die "Dance-Akademy" mit einer Tanzeinlage, Live-Musik mit der "All-Star-Assistenten-Band" und Vorführungen von Professoren angekündigt, später legte DJ Jens Nettler auf. Wie in den Vorjahren kamen zum Fest auch wieder viele - zum Teil von weit her angereiste - "Ehemalige".
Markt der Möglichkeiten

Brückenschlag zwischen
Theorie und Praxis

- Aus dem Gießener Anzeiger -

GIESSEN (bl). Es ist ein Tag der Begegnung, ein Tag des Austauschs, der vor allem dem Brückenschlag zwischen Theorie und Praxis dienen soll. Bereits zum fünften Mal schon lud der Verein zur Förderung des Fachbereichs (FB) Wirtschaftswissenschaften der Justus-Liebig-Universität (JLU) zum WiWi-Tag ein. Um das Wir-Gefühl zu stärken, so Dekan Prof. Wolfgang Scherf in seiner Begrüßung, wird den Angehörigen und Ehemaligen des FB ein buntes Campusfest mit Fachprogramm, Messeständen, Barbecue und Festzelt geboten. Daneben galt es aber auch, Zukunftsperspektiven auszuloten und sich etwa mit den Erfolgsaussichten modularisierter Studiengänge auseinanderzusetzen.

"Studieren in Deutschland" lautete daher das Thema einer sehr anregenden Diskussion. Und das Podium, betonte Diskussionsleiter Prof. Volbert Alexander, Vorsitzender des WiWi-Fördervereins, war mit Ruth Wagner, Georg Bachmeier, Prof. Martin Morlock und Umut Sönmez "sehr kompetent" besetzt. Allerdings fanden nur wenige Studierende den Weg in den Hörsaal. Aus sich der Politik erläuterte Ruth Wagner, Vizepräsidentin des hessischen Landtages und einst Wissenschaftsministerin in Hessen, die Entstehungsgeschichte der Modularisierung. So sein schon 1988 die Kernidee entwickelt worden, die Mobilität und Flexibilität innerhalb des europäischen Hochschulraums zu verbessern.

Ebenso sei darüber nachgedacht worden, stärkere Praxisbezüge herzustellen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu fördern. In Bologna sei dann 1999 aber zunächst nur verabschiedet worden, zwei Abschlüsse zu schaffen. "Es besteht jedoch eine deutsche Neigung, dass die Umsetzung europäischer Rahmenbedingungen in Erbsenzählerei und Gleichmacherei endet", kritisierte Wagner. Niemand habe gesagt, dass ein Leistungspunktesystem entwickelt werden solle und selbst einzelne Vorlesungsinhalte miteinander vergleichbar sein müssten. Dennoch müsse sichergestellt sein, dass ein anerkanntes Niveau erreicht werde. Zugleich äußerte die Landtags-Vizepräsidentin ihre tiefe Überzeugung, dass es nicht schaden könne, nach wie vor über den Tellerrand des vorgegebenen Wissens hinaus zu schauen.

Eine Momentaufnahme aus dem Fachbereich nahm Studiendekan Prof. Morlock vor. Er führte aus, dass in den Wirtschaftswissenschaften die "Weichen schon früh gestellt worden" seien. Dabei habe auch die Frage erörtert werden müssen, ob der Bachelor - der sechs Semester umfasst - eventuell nur noch ein "erweitertes Vordiplom oder ein amputiertes Diplom" sei. In Gießen werde nun künftig in den ersten drei Semestern auf eine solide theoretische Ausbildung gesetzt, die helfe, sich schnell in Zusammenhänge einzuarbeiten. Dies sei durchaus straff organisiert. Die danach folgende Schwerpunktbildung lasse aber weiterhin gewisse Freiheiten.
Pressefoto der Panel-Diskussion
Dass in der Wirtschaft teils noch ein Nachholbedarf bestehe, was denn überhaupt von den Bachelor-Studenten erwartet werde dürfe, verdeutlichte Georg Bachmeier, Leiter der Personalrekrutierung bei der Deutschen Bank. Gleichzeitig betrachtete er es als "sehr deutsche Sicht", die Umstellung der Studiengänge zunächst negativ zu sehen. "Wir gehen davon aus, dass die Bachelor-Studenten unsere künftigen Führungskräfte sind", so Bachmeier. Das Hochschulsystem müsse allerdings auch zwingend auf den Arbeitsmarkt ausgerichtet werden, denn es könne nur "Hand in Hand mit den Arbeitgebern" funktionieren. Das brachte Bachmeier jedoch den heftigen Widerspruch von Ruth Wagner ein, die neben der Qualifizierung für einen Beruf keinesfalls Wissenschaft und Forschung vernachlässigt sehen möchte.

Umut Sönmez mahnte indes, dass bei allem "emanzipatorischen Anspruch", den europäischen Hochschulraum zu harmonisieren, nicht das selbstbestimmte Lernen verloren gehen dürfe. Der studentische Vertreter im Senat der JLU befürchtet jedoch einer Verschulung der Studiengänge sowie zunehmenden Leistungsdruck. Und der werde sich durch Studiengebühren nochmals intensivieren, sagt Sönmez. Das Studium dürfe keineswegs mechanisch Studenten produzieren, die nur noch in ein bestimmtes Anforderungsprofil passen. Vielmehr müsse die Fähigkeit zu abstrahierendem und kreativem Denken erhalten bleiben.

Zahlreiche Beratungs- und Informationsangebote konnten die Studierenden anschließend auf dem "Markt der Möglichkeiten" nutzen. Dort präsentierten sich bekannte deutsche Unternehmen, Professuren sowie Studenteninitiativen und standen Rede und Antwort. Ein Fun-Programm mit Bullreiten, Dart, Singduellen oder Minigolf sorgte zudem schon tagsüber für abwechslungsreiche Unterhaltung, ehe der Abend mit jeder Menge Live-Musik, Tanz und gemütlichem Beisammensein im Festzelt ausklang.

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