Die Giessener Wirtschafts-Studenten Stephan Hufnagel und Stefanie Schmidt studierten im Wintersemester 2007/08 an der University of Karlstad (ERASMUS-Programm). Sie stellen interessierten Kommilitonen freundlicherweise diese Erfahrungen über ihr Auslandssemester zur Verfügung:
a) Kosten der Lebenshaltung, des Wohnens und ähnliches:
Für das alltägliche Leben liegen die Kosten in Karlstad etwas über den durchschnittlichen Ausgaben in Deutschland. Es kommt jedoch darauf an für welche Produkte man sich entscheidet und in welchem Geschäft man einkaufen geht. Es gibt beispielsweise auch einen LIDL. Diesen kann man aber nur mit dem Bus erreichen und nicht zu Fuß.
Alkoholische Getränke sind wesentlich teurer als in Deutschland. Für ein Bier zahlt man abends mindestens 5-6 €uro.
Die Miete für ein Zimmer auf dem Campus Futurum ist abhängig von der Größe des Zimmers. Ein kleines Zimmer kostet 2500 SEK (~272€) und für ein großes Zimmer sind 3260 SEK (~354€) zu zahlen.
Bus- und Zugfahrten sind deutlich billiger als in Deutschland, insbesondere wenn man die Tickets bereits sehr früh kauft oder Last-Minute-Tickets erwirbt. Da Karlstad zwischen Stockholm, Oslo und Göteborg liegt, hat man verschiedene Städte, die man preisgünstig erreichen kann.
b) Qualität und Lage der Unterkunft (Campus Futurum):
Der Campus Futurum ist ein Studentenwohnheim, in welchem hauptsächlich Schweden wohnen. Alle Zimmer sind in einem guten Zustand und haben ein eigenes Bad. Abhängig davon auf welchem Flur man wohnt, lebt man mit acht bis dreizehn Mitbewohnern zusammen (wenn alle Zimmer besetzt sind), mit welchen man sich eine große Küche teilt. Der Campus liegt nahe bei der Universität. Diese ist zu Fuß in ca. 10 Min zu erreichen.
Die Buslinie 1 fährt vom Campus Futurum in die Innenstadt und dann direkt weiter zum neueröffneten Ikea. Die Linie 1 braucht nur ca. 10 min bis in die Innenstadt, mit der Linie 2 ist man hingegen ca. 25 min unterwegs.
Einkaufmöglichkeiten für Lebensmittel sind zu Fuß in ca. 10-15 min vom Campus aus zu erreichen. Der etwas günstigere Ica in Kronoparken wurde jedoch im Dezember geschlossen.
c) Betreuung durch die Hochschule/den Erasmus Koordinator und/oder andere Institutionen:
Die Betreuung fängt schon vor der eigentlichen Ankunft durch die Zuteilung eines „Host Students“ an. Von diesem wird man bei der Ankunft abgeholt und während des gesamten Aufenthaltes betreut. Unser Host war jederzeit für Fragen offen und hat immer versucht uns zu helfen.
Der Vorlesungsbetrieb startet mit einer Einführungswoche, in der man erste wichtige Informationen über die Universität, das Land und die Schweden erhält. Die Erasmus-Koordinatorin ist jederzeit für Fragen da und kann per E-Mail oder auch persönlich kontaktiert werden. Diese organisiert auch erste Partys und Ausflüge und steht den Austauschstudenten die ganze Zeit über unterstützend zur Seite.
d) Freizeitangebot:
Die Landschaft um Karlstad lädt zu Ausflügen ein. Am Marktplatz kann man sich kostenlos Fahrräder ausleihen (bis Ende September) und mit diesen die Landschaft erkunden. Auch zu Fuß ist man sehr schnell in der Natur, da der Campus und die Universität am Rand von Karlstad liegt.
Für diejenigen, die Sport treiben wollen, ist das Angebot an Unisport interessant. Dieses ist recht breit gefächert. Die verschiedenen Kurse finden nahe der Universität statt, sind also vom Campus Futurum aus gut zu erreichen. Zudem ist direkt hinter dem Campus ein Rundweg im Wald, auf dem viele Jogger unterwegs sind.
Karlstad hat eines der besten Eishockeyteams Schwedens. Ein Besuch in dem modernen Eishockeystadion ist sehr empfehlenswert.
Die Stadt bietet neben Restaurants und Bars auch Diskotheken. Allerdings sind Getränke sehr teuer, so dass viele der Austauschstudenten eigene Partys (insbesondere Motto-Partys) auf dem Campus veranstaltet haben. In der größten dieser Diskotheken kann man Bowlen und Go-Kart fahren. Außerdem werden dort regelmäßig Konzerte organisiert.
e) Qualität der Kurse bzw. Qualität und Art der Lehre
Der Unterricht an der Uni findet in kleineren Gruppen als in Deutschland statt. Zudem muss man während des Semesters mehr selbst mitarbeiten. So sind beispielsweise Hausübungen zu erledigen und Seminararbeiten zu schreiben. Außerdem werden teilweise Zwischentests geschrieben. Insgesamt ist der Arbeitsaufwand jedoch keinesfalls höher als in Deutschland, man muss eben kontinuierlicher arbeiten.
So waren zum Beispiel in Financial Markets, Risk and Insurance drei Excel-Exercises zu lösen, eine Seminararbeit zu erstellen und zu präsentieren, sowie eine abschließende Klausur zu schreiben.
Das Verhältnis zu den Lehrern ist ein anderes als in Deutschland. Man duzt seine Lehrer und redet sie mit dem Vornamen an. Dies war am Anfang schon etwas seltsam. Natürlich gab es auch Lehrer, mit welchen wir besser auskamen als mit anderen.
f) Lehrangebot für Sprachkurse der Sprache des Gastlandes
An der Universität werden vier Schwedisch-Kurse angeboten. Für Schwedisch I benötigt man keine Vorkenntnisse. Wer ein Semester in Schweden studiert, kann Schwedisch I und II belegen. An den Kursen nehmen Austauschstudenten aus den verschiedensten Ländern teil und die Lehrerinnen sind sehr nett. Wir haben beispielsweise auch schwedische Lieder gesungen, was sehr lustig war.
Allerdings kommt man auch nur mit Englisch gut zurecht, da eigentlich jeder in Schweden Englisch sprechen kann. Trotzdem ist es sehr zu empfehlen zumindest Schwedisch I zu belegen, damit man ein paar nützliche Sätze für den Alltag lernt.
g) Allgemeines Urteil über den Aufenthalt
Insgesamt hat uns das Semester in Schweden sehr gut gefallen! Wir haben viele neue Freunde aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt gefunden und eine Menge Spaß gehabt. Aufgrund der Veranstaltungen (Einführungswoche, Värmland-Trip usw.) für die Austauschstudenten, welche von der Uni organisiert worden sind, hat man die Gelegenheit andere Austauschstudenten zu treffen und kennenzulernen. Man kann nach der Ankunft sehr leicht Kontakte knüpfen und findet sich in einem sehr freundlichen Umfeld wieder.
Zudem hatten wir die Chance mal eine andere Uni und ein anderes Bildungssystem kennenzulernen. Dabei ist es nicht nur interessant eine andere Organisation der Studiengänge und Vorlesungen kennenzulernen, sondern auch die Erfahrung zu machen, in deutlich kleineren Gruppen als in Deutschland unterrichtet zu werden.
Professur für VWL - Transformations- und Integrationsökonomik
Prof. Dr. Matthias Göcke