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Impressionen: Campus und Menschen
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Erfahrungsbericht Montpellier Olejnik

Erfahrungsbericht aus Montpellier (ESC Montpellier) von Sebastian Olejnik   WS07/08

 

 

a)      Kosten der Lebenshaltung, des Wohnens und ähnliches

 

 

Die Wohnkosten sind etwas höher als in Giessen, sind aber stark davon abhängig wo man wohnt und wieviel Mindestmaß an Komfort man sich wünscht. So gab es einige die für 90Euro/Monat (CAF schon abgezogen) im staatlichen Wohnheim gewohnt haben, aber auch Fälle die mehr als 400 Euro/Monat zahlten.

Ich denke es ist besser eine Wohnung direkt vor Ort zu suchen, da man von Deutschland aus per Telefon wenig erreicht. Bei den privaten Wohnheimen braucht man, falls man hier nur 1 Semester verbringt, gar nicht erst anfragen, da sie nur Studenten für 10 Monate und länger nehmen.

 Ich habe mich für eine Wohnung bei einem privaten Vermieter von Deutschland aus geeinigt, was ich jedoch ein zweites Mal nicht mehr machen würde, da ich mit 400 Euro (alles inklusive, dafür aber kein CAF) wesentlich mehr als die meisten gezahlt habe. Zudem war die Lage (Tramstation Linie 2: Villeneuve d’Angoulême) recht weit vom Zentrum entfernt. Dafür war die Wohngegend relativ ruhig, mit guten Einkaufsmöglichkeiten und ich hatte den Vorteil keinerlei Verträge, Bürgschaften und sonstiges unterzeichnen zu müssen, da alles nur mündlich festgelegt war.

Lebenshaltungskosten sind ein wenig höher als in Deutschland, aber ich würde sagen eher geringfügig. Jeder Supermarkt hat Rabattkarten mit denen man auch einiges einsparen kann, Obst- und Gemüsepreise sind auf etwa gleichem Niveau wie in Deutschland. Nur abends weggehen kann teurer werden, vor allem wenn man in die Clubs außerhalb geht.

Pro Monat muss man noch 30 Euro für den öffentlichen Nahverkehr (Busse, Tram) einplanen, falls man sich nicht für ein Fahrrad (50 Euro/Jahr) entscheidet.

Miteinplanen sollte man auch die Flugkosten, falls man mit dem Flugzeug anreist. Montpellier ist wird von Ryanair (ab Frankfurt Hahn) im Sommer täglich und im Winter 3 mal wöchentlich angeflogen. Bei rechtzeitiger Buchung kann man echte Schnäppchenpreise erzielen, die z.T. wesentlich billiger sind, als Zug oder Auto.

 

b) Qualität und Lage der Unterbringung

 

Wie schon erwähnt sind Preise und Qualität auf dem Wohnungsmarkt recht unterschiedlich, generell muss man jedoch sagen, dass es durchaus schwierig ist, etwas Interessantes zu finden. Meine Wohnung war gut ausgestattet und in der Küche hat es auch an nichts gefehlt. Wichtig ist, dass die Wohnung eine Heizung hat, da man sonst noch zusätzlich ein Heizgerät kaufen muss für den Winter.

Die staatlichen Wohnheime sind zum Teil in desolatem Zustand, daher würde ich sie nur bedingt empfehlen.

 

c)      Betreuung durch die Hochschule / den Erasmus-Koordinator und/oder andere Institutionen

 

Die Betreuung durch die Hochschule ist äußerst mäßig, man bekommt bei der Wohnungssuche keinerlei Hilfe bis auf eine Liste mit zum Teil nicht mehr aktuellen Telefonnummern. Anfang des  Semesters gibt es einige Infoveranstaltungen mit Tipps, die aber mehr die außereuropäischen Studenten betreffen. Ansonsten muss man sich um alles selbst kümmern. Die Koordinatorin Frau Inglebert ist hilfsbereit, hat aber so gut wie nie Zeit für einen. Sie spricht auch gutes Englisch, falls man mit Französisch nicht weiterkommt.

 

d)      Freizeitangebot / Flair der Stadt

 

Montpellier ist eine schöne Stadt mit historischem Stadtkern, aber außerhalb des Zentrums sind die Strassen und Häuser zum Teil ein wenig verkommen. Es gibt enorm viele Hundehaufen auf den Strassen, was wohl daran liegt, dass es kaum Grünflächen gibt und so muss man abends/nachts schon genauer hinsehen sollte wenn man auf dem Weg nach Hause ist.

Leider ist der Weg zum Strand relativ lang und auch teuer. Man muss vom Port Marianne die Buslinie 131 nehmen, für die man jedoch ein extra Ticket braucht (Zehnerkarte 15,80 Euro). Der Bus fährt auch nur alle 1-2 Stunden. Des weiteren kann man auch die Linie 28 von Place de l’Europe nehmen, muss dann aber ein wenig zu Fuß bis zum Strand laufen. Der Strand ist schön und nicht überbevölkert im Sommer. Es kann jedoch an einigen Tagen recht windig werden am Meer, sodass einem der Sand ständig ins Gesicht fliegt.

Das Nachtleben in Montpellier hat nicht wirklich meinen Erwartungen entsprochen. Die Clubs im Stadtzentrum sind äußerst klein und wirken ein wenig verkommen, vor allem die Toiletten. In der Stadt gibt es bis auf IDEM und Cargo eigentlich keine wirklichen Discos. Alle anderen sind eher Bars mit kleiner Tanzfläche. Dienstags sind alle Erasmus-Studenten im Australian Cafe zu finden, wo jeden Dienstag eine Erasmus-Party stattfindet. Mittwochs ist im Macadam am Bahnhof dasselbe.

Falls man in eine größere Disco gehen möchte, muss man um Mitternacht am Bahnhof den „Amigo-Bus“ nehmen und fährt für ca. 15-20 min außerhalb bis nach Lattes. Dort sind die großen Discos wie Matchico, Villa Rouge etc. Jedoch kosten sie alle zwischen 10-15 Euro Eintritt für Männer, Frauen kommen kostenlos rein. Inbegriffen im Eintrittspreis ist ein Freigetränk, jedes weitere Bier kostet 8 Euro (für 0,25l) und mehr. Der Bus fährt um 3 und um 5 Uhr morgens zurück, ist aber immer gerappelt voll, von daher sollte man früher an der Haltestelle stehen, um noch reinzukommen. Falls man den Bus verpasst darf man sich dann für ca. 15-20 Euro ein Taxi nehmen, was man meist auch noch selbst anrufen muss. Von daher sind die Abende ausserhalb der Stadt relativ teuer und finden auch nicht häufig statt.

Montpellier ist aber der perfekte Ausgangspunkt für Ausflüge in die Region. Absolut empfehlenswert sind: Sète, Nimes, Perpignan, Grenoble und Carcassonne. Auch Barcelona sollte man an einem Wochenende erkunden. Mit der „Carte Jeunes 12-25“ die es für 50 Euro am Bahnhof zu kaufen gibt, kann man pro Strecke bis zu 50% Rabatt erhalten, sodass sich die Karte schon nach wenigen Ausflügen rentiert.

 

e)      Qualität der belegten Kurse

 

Ich habe mir alle Kurse angeschaut und mich dann für die interessantesten entschieden. Die Kurse im ESC Undergraduate Programm sind alle auf französisch, jedoch geben sich die Lehrenden Mühe und sprechen verständlich, so war es für mich kein Problem zu folgen.

Jedoch ist der Aufwand pro Fach größer als in Giessen, da es jede Menge Hausaufgaben gibt und Zwischenprüfungen (Controle Continue). Die Note setzt sich aus 30% DPAS (Hausaufgaben), 20% Beteiligung am Unterricht (Präsentationen etc.) und 50% Test zum Semesterende zusammen.

Die Vorlesungen sind total verschieden von denen, die man in Giessen gewohnt ist. Man wird in eine UB (Unité Base) eingeteilt und hat mit dieser Gruppe von etwa 40 Personen alle Kurse zusammen. Anwesenheit ist Pflicht und wird anhand einer Liste überprüft; nur 2 unentschuldigte Fehlstunden sind erlaubt. 

Man muss noch dazu sagen, dass eigentlich alles in Gruppenarbeit stattfindet. Man muss sich in jedem Kurs eine Gruppe von max. 5 Leuten suchen, mit denen man alle Aufgaben und Texte bearbeitet und auch präsentiert.

Das Niveau des Unterrichtsstoffs ist mit Giessen nicht vergleichbar. Ich hatte das Gefühl man muss nicht mal rechnen können. Einzig und allein die Sprache macht den Lernaufwand aus.

 

 

 

f)       Lehrangebot für Sprachkurse der Sprache des Gastlandes

 

Der Französischkurs ging Mitte September los und geht fast 3 Wochen lang mit täglich 4 Stunden. Es gibt verschiedene Gruppen von je 20 Studenten, die nach ihrem Sprachniveau eingeteilt sind. Je höher das Niveau, desto mehr Arbeit (Hausaufgaben etc.). Der Sprachkurs geht auch während des Semesters weiter, jeweils 3 Abende (18-20h) in der Woche. Auch im Sprachkurs gibt es einen Abschlusstest und Zwischenprüfungen.

 

 

g)      Umfang der notwendigen Kenntnisse der Sprache des Gastlandes zum "Überleben" der ersten Wochen

 

Also ich würde sagen, ein Mindestmaß an Französisch sollte man schon sprechen, ansonsten wird man schon bei der Wohnungssuche in Schwierigkeiten geraten. Der Sprachkurs frischt zwar die Kenntnisse ein wenig auf, aber innerhalb der kurzen Zeit wird man nicht ausreichend für das Kursniveau vorbereitet, sodass man anschließend viel mit Wörterbuch arbeiten muss.

Zum Freunde kennenlernen ist die Sprache des Gastlandes kein Muss, da die meisten noch weniger französisch sprechen als man selbst. So hat man vor allem mit Spaniern Verständigungsprobleme, da diese meist weder Englisch noch Französisch reden. Mit den anderen Nationalitäten redet man meist auf Englisch, da es für alle einfacher ist. So frischt man in Montpellier nicht nur die französischen Sprachkenntnisse auf, sondern auch die Englischen.

 

h)      allgemeines Urteil über den Aufenthalt an der
Partnerhochschule als Erasmus-Studentin

 

Der Aufenthalt in Montpellier ist eine sehr lustige und schöne Zeit, mit vielen, vielen Parties und Unmengen an neuen Bekanntschaften. Ich kann sie wirklich nur jedem weiterempfehlen, es ist eine Erfahrung die jeder Student gemacht haben sollte. Insbesondere die Kontakte mit anderen Nationalitäten die man an der Sup de Co macht, können enorm wichtig für das spätere (Berufs-)Leben sein. Das Beste an der Sup de Co ist, dass alle dasselbe studieren, nämlich Wirtschaft. Von daher kann man sich ein internationales Netzwerk aus guten Freunden aus der ganzen Welt knüpfen, die alle die gleiche berufliche Ausrichtung haben.

Auch für den Lebenslauf ist heutzutage ein Auslandssemester ein absolutes Muss.

So muss man sich in einer fremden Welt neu zurechtfinden und sich alles selbst organisieren, was viel Lebenserfahrung bringt.

Falls man nicht unbedingt alle Kurse belegt die vorgeschrieben sind (30CP), so hat man auch genügend Freizeit und kann viel Reisen in die Umgebung unternehmen. Generell ist für das Auslandssemester direkt nach dem Grundstudium die perfekte Zeit, weil die meisten Kurse nur in der BWL-Breite anzurechnen sind.

 

Professur für VWL - Transformations- und Integrationsökonomik

Prof. Dr. Matthias Göcke

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